Benzin teuer? Wasser tanken!

Benzin teuer? Wasser tanken!

Zuletzt aktualisiert am 4. Dezember 2014 um 2:33

carwaterSchmeckt ja auch besser als Benzin… Man sollte aber wirklich am Physikunterricht in der Schule mal was ändern – wie kommt’s sonst, dass offenbar immer wieder (Amerikaner) auf den alten „Bau dein Auto von Benzin- auf Wasserverbrennung um“ Joke reinfallen. Einige „Firmen“ versuchen sogar, damit richtig was zu verdienen; und ich muss zugeben, dass ich mich heute Vormittag 10 Minuten lang köstlich amüsiert habe. Allerdings handelt sich’s wohl tatsächlich nicht um Realsatire, sondern um MLM-Marketing in des Kaisers neuen (Wasser)Kleidern.

Begonnen hat das ganze mit einer neuen Spam-Followerin (die häufen sich in letzter Zeit wie Sommerfliegen um frischen Kuhmist) auf Twitter mit dem klingenden Usernamen Waterfuel101. Die junge Dame war äußerst aktiv und hat bislang 2 Tweets verschickt, die beide die URL www.the6figureteam.com enthalten. Dort findet äußerst spannende Informationen zum besagten Umbau – natürlich ein verlockendes Angebot in Zeiten galoppierender Benzinpreiserhöhung:

Converting your car to run on water is proven to lower fuel costs, increase mileage – and help the environment. But, up until recently, it was also pretty expensive – the only way to convert your car to water was to get it done professionally, which could cost as much as $2,000. Even stand-alone conversion kits can sell for as much as $500.

Sehr geil sind auch die Testimonials:

48% improvement in my fuel economy. Run Your Car On Water helped us save $1,000’s.

Von dieser Seite kommt man über drei Clickbank-Links zu drei ähnlichen Seiten, die des Pudels Kern schon bedenklich nahe kommen. www.runyourcarwithwater.com/ kennt dann schließlich die Antwort auf alle Fragen:

Create your own water hybrid for under $150! Did you know that you can convert your car to a water-burning car? You can run your car on water, supplemental to gasoline, to increase your car’s fuel efficiency and reduce your fuel costs significantly.

Hmmm… 150 Dollar also. Was für ein ausgeklügeltes MLM-Programm; auf die nähere Erläuterung war ich jedenfalls ausgesprochen gespannt, und nicht zu Unrecht:

Our easy conversion guide will show you how to use electricity from your car’s battery to separate water into a gas called HHO (2 Hydrogen + 1 Oxygen). HHO, also called Brown’s Gas or Hydroxy, burns smoothly and provides significant energy – while the end product is just H2O! HHO provides the atomic power of Hydrogen, while maintaining the stability of water.

Preisfrage: mal angenommen, dieses 150-Dollar-Conversion Kit, laut Aussage des Vertriebs „mit im Baumarkt erhältlichen Teilen für 60$ von jedem, egal ob er eine Ahnung von Autos hat oder nicht, leicht selbst zu bauen“ (man bekommt anscheinend nur die Anleitung) wäre nicht die feuchte Fantasie eines kreativen Wasserkopfs. Angenommen, man könnte in Automotoren herkömmlicher Bauart auch Wasserstoff verbrennen. Warum wäre es dann trotzdem vollkommen idiotisch, diesen Wasserstoff mittels Elektrolyse mit Gleichstrom aus der 12-Volt Autobatterie zu gewinnen? Wer diese Frage beantworten kann, gewinnt einen Backlink im datenschmutz Link Directory.

23 Antworten
  1. Aufschnürer sagt:

    Hehe, netter Marketing-Gag :grin:
    Zur Frage: Weil der Energieaufwand zur Elektrolyse viel zu hoch wäre und den Nutzen (Effizienz) damit ad absurdum führen würde?

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  2. David sagt:

    Wassestoffelektrolyse Hm= 321,6 kJ/mol
    Knallgasreaktion Hm= −286 kJ/mol.

    Es wird mehr Energie reingepumpt als freigesetzt wird. Geht sich leider nicht aus… Sonst hätten die ja das perpetuum mobile erfunden!

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  3. zweinullblog sagt:

    @Aufschnürer: Als Gag würde ich das nicht bezeichnen, ich denke es gibt genug Leute die darauf reinfallen werden und bei den Kosten, nenn ich das mal derbe Profitorientiert – wenn auch primitiv. :shock:

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  4. sanchez sagt:

    schau mal bei google unter dem namen daniel dingel nach sei auto fährt nur mit wasser. ich habs selber probiert es funktioniert.

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  5. ritchie
    ritchie sagt:

    Mann, ich glaub das alles einfach nicht… Ja, Daniel Dingel hat mich nun wirklich restlos überzeugt, v.a. mit dieser Argumentation:

    Macht es doch nicht so kompliziert! Wasserautos laufen nicht mit Explosion des Knallgases, sondern mit Implosion komprimierter Äther-Energie.

    Na dann! Mein Helikopter, mit dem ich im Traum rumfliege, läuft auch mit komprimierter Äther-Energie. Schon komisch, dass sich der Dingel jeglicher Untersuchung widersetzt, „weil seine Erfindung zu einfach zu kopieren und nicht patentierbar ist“. Bullshit x 3. Natürlich ist ein solches Verfahrenspatent überhaupt kein Thema, schon gar nicht Musterschutz. Wozu braucht er überhaupt das Patent, wenn ihm schon „zahlloses Investoren Millionenverträge“ angeboten haben? Und warum sollte eine Artikel im Auto Bild (Auto Bild, dammit!) überhaupt irgendwas belegen?

    Und dann immer dieses Halbwissen… ja, natürlich „zersprengen“ bestimmte Laserfrequenzen mikroskopisch kleine Wasserkügelchen, so w00t? Womit wird denn der Laser betrieben deiner Meinung nach? Mit freie Äther-Energie? Aber immerhin: eine der besseren Realsatiren der letzten Zeit :lol:

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  6. Andreas sagt:

    Hab gerade durch etwas googlen einen interessanten Link zu diesem Thema entdeckt, 1 Liter Wasser auf 100 km mit 80 km/h Höchstgeschwindigkeit.

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  7. Nanni sagt:

    Hi, wenn Strom für 3,33 Cent je KwH produziert wird, wie es Sunrgi aus Karlifornien bereits kann, kann man mittels heute erhältlicher H2 Tankstellen (benötigen nur Strom und Frischwasseranschluss) mit H2 billiger fahren als mit Benzin, und – ganz nebenbei – völlig emissionsfrei (da Sunrgi nur Solarstrom herstellt) und ganz frei von irrwitzigen Gewinnen für Oel-Monopolisten.
    Wie die KFZ Umrüstung mit billig Bausätzen funktioniert, kann man sich hervorragend bei You-Tube ansehen.
    Also ran ans Umrüsten, die Umrüstbausätze sollten natürlich von solventen Anbietern sein.
    Schöne Grüße
    Nanni

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    • ritchie
      ritchie sagt:

      Man kann Autos nicht mit Hausmitteln und Umbausätzen auf H2-Verbrennung umrüsten. Wasserstoff ist ungleich flüchtiger als Benzin… viel Spaß beim Abdichten der Zylinder.

      Ansonsten hast du prinzipiell schon recht, H2 wäre emissionsfrei. Allerdings kann von flächendeckend dabei wohl noch keine Rede sein.

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  8. schnalle sagt:

    ayay, das problem ist die geringe energieausbeute, die flüchtigkeit und die extrem kostenintensive herstellung. ein auto mit wasserstoffantrieb würd einen riesigen, extrem schweren tank benötigen. der sprit würd sich trotzdem nach einiger zeit aus dem tank verflüchtigen.

    details von zubrin:
    http://www.thenewatlantis.com/publications/the-hydrogen-hoax

    wasserstoff als antrieb ist imho ziemlich zum vergessen. eine einbahnstraße, in die wir uns schon zu weit reinmanövriert und jetzt probleme haben, wieder rauszukommen.

    ich setze jedenfalls auf elektroautos. die batterien sind zwar noch extrem schwer und es dauert lang sie zu laden, aber dafür gibts so viel wunderbares zeugs das man damit machen kann. z.b. motoren direkt an die radln.

    meine große liebe:
    http://www.commutercars.com/

    schaut aus wie eine mischung aus behindertenwagerl, smart und aixam, und beschleunigt von 0 auf 100 in 4 sekunden. reichweite ist halt leider nicht so toll (130km), aber ist ja eigentlich auch nur als pendlerauto gedacht. me wants!

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    • ritchie
      ritchie sagt:

      Ganz deiner Meinung was h2-Verbrennung betrifft! Und Rad direkt am Motor wär natürlich eine geniale Bauweise… und diesen Citiyflitzer hätt ich auch gern :mrgreen:

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  9. Anonymous sagt:

    Angenommen, Wasserstoff wirkt katalytisch bei der Verbrennung und verhilft zu einer verbesserten Verbrennung von Benzin oder Diesel. Wie sieht dann die Energiebilanz aus?

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    • ritchie
      ritchie sagt:

      Im Vergleich zu Wasserstoff ist selbst Leichtbenzin inert – und in gebundener Form wirken H2 oder H2O keinesfalls katalytisch auf Oxidation.

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  10. Anonymous sagt:

    So so. Soll also ’n Joke sein. Mein Vorschlag an den Autor dieses Beitrages: Erst informieren, dann Hirn einschalten und nicht voreilig irgendwelchen Blödsinn von sich geben! Immerhin bestätigen inzwischen selbst seriöse Physiker im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung die Funktion solcher Agregate. Siehe hier: http://www.buch-der-synergie.de/archiv/bericht_e_5001_15.pdf

    Ich habe selbstverständlich persönlich beim Bundesministerium vergewissert, ob diese Studie der Wahrheit entspricht und in tatsächlich dessen Auftrag durchgeführt wurde.

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    • ritchie
      ritchie sagt:

      Alles, was „inzwischen selbst seriöse Forscher“ bestätigen ist höchst obskur… aber egal. Hast du den Bericht gelesen? Nur weil „bericht“ draufsteht, werden Behauptungen nicht wahrer. Zeit mir ein Auto, das Wasser tank, lass mich damit rumfahren und nachher den Motor untersuchen – wenn kein Benzin und kein Akku drin ist, hast du mich überzeugt. 10.000 „Forschungsberichte“ von solch „hochgradigen seriösen“ URLs helfen da allerdings wenig, fürchte ich.

      Andere Frage: hast du den Bausatz schon in dein Auto eingebaut? :twisted:

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  11. GeorgeTown sagt:

    Was Nanny sagt, ist interessant. Und es ist auf jeden Fall eine, der Möglichkeiten, die es gibt.
    Dass ein Auto nur mit Wasser fahren kann ist grundsätzlich möglich. Da aber Wasserstoff mit etwa 2000 Grad verbrennt, muss man entweder einen Ferrari fahren, denn der hat den Motor schon in Keramik(wegen der Kühlung)oder etwas anderes für die Kühlung tun.
    Skeptiker gibt es immer. Es kann eben nicht sein, was nicht sein darf-oder umgedreht. Einer meiner Kollegen kam mir da auch schon mit dem dazugehörigen Naturgesetz und dem Perpetuum Mobile. (Selber mal nachdenken, ob da vielleicht was nicht stimmt, wäre besser gewesen, als nur nachzuplappern, was da irgendwo steht).
    Okay – bei normalen Bezinern oder Diesel, ist der Blanke Wasserstoff nicht möglich und Knallgas ist in Europa nicht erlaubt. Aber es geht eben auch anders. Ich muss nicht immer ganz genau wissen, warum etwas geht oder wie. Mich interessiert immer nur das Ergebnis, dann ist es auch okay.
    Warum? Mir reicht es fürs Erste und vielen anderen Fahrzeugbesitzern auch. Und es kommt garantiert noch besser. Ich weiß es!

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    • Ritchie Blogfried Pettauer
      Ritchie Blogfried Pettauer sagt:

      Dass du’s nicht so genau wissen musst, ist offensichtlich: du unterscheidest anscheinend ja auch nicht zwischen Wasser und Wasserstoff… ist ja eh das gleiche, und die Sache mit dem Perpetuum Mobile war wohl ein Irrtum der Physik? Genau. Kann jetzt aber nicht mehr weiterschreiben, ich bin durstig und muss mir mal ein Glass Wasserstoff von der Leitung holen.

      Antworten
  12. Dr. ZOD sagt:

    Hey, kurze Info:
    Wasserstoff ist DER sekundär-Energieträger unserer Zeit.
    Gewonnen durch 3X effizientere Photolyse lässt er sich sehr gut unkomprimiert speichern, ohne sich verflüchtigen zu müssen.
    Weiters kommt hinzu, das das Auto der Zukunft ohnehin nurmehr mit WASSER betankt wird -> Für Pendler.

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  13. Dr. ZOD sagt:

    Übrigens arbeitet eine PEMFC-Brennstoffzelle zwischen 60-90 Grad Celsius. Auch andere Typen gebräuchlich unter 220 Grad Celsius.
    MfG ZOD

    Antworten
    • Ritchie Blogfried Pettauer
      Ritchie Blogfried Pettauer sagt:

      Das ist nicht der Punkt… WASSER VERBRENNT NICHT. Man müsste die H2O Moleküle spalten, aus alle O’s möglichst restlos O2 machen und dann den Wasserstoff verbrennen – ABER: die Spaltung des H2Os braucht mehr Energie, als der Wasserstoff nachher abgibt (Verlust durch 2malige Umwandlung). Noch Fragen?

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