Die Kolumne #66 (Februar 2006)

Die Kolumne #66 (Februar 2006)

Zuletzt aktualisiert am 1. April 2007 um 20:41

Diesmal: Abgesänge auf Krähen oder: Das Jahr des Seuchenvogels

In den Ländereien der kaum begrenzten Unmöglichkeit nannte sich einer jüngst um von Jim oder Joe zu Kentuckyfriedcruelty.com. Sein Name kurb(e)le stets die Diskussion an, ist sich Fried? Tucky? Cru? sicher. Zu spät, gottverdammt – viel zu spät! Aus die Zeiten, da das Federvieh des Menschen bester Freund ward, keine glücklichen Hühner, die morgens mit den Schwanzfedern wedeln und uns mit ihren spitzen Cthulhu* artigen Schnäbelchen aus dem Schlaf pecken! Zählt der junge Mann 30 Lenze, wird KFC längst fried couscous verkaufen müssen, so rasant wie sich tote Schwäne rund um Graz mehren.

Das einzig Vorteilhafte an jener tückischen Krankheit, die auf absehbare Zeit chinesische 1000jährige Eier kostbarer als Fabergé Goggelen** wird werden lassen, ist… genauer betrachtet eigentlich gar nix. Wenn also schon ich mein goldgelbes Dotter schon den Abfluss der Zeit hinabrinnen sehe, wie mag es erst Tantchen Brigitte ergehen mit ihren drei hochgeschätzten und bestdressierten Wohnungshenderl? Brigittens Exfreund, ein roher aber gerechter Polizeioberst, hatte die drei Junghühner aus den Klauen einer gewissenlosen Bande sodomitischer Videoproduzenten gerade noch befreien können – und das Federvieh am nächsten Morgen, als Tantchen die Beziehung wie üblich beendete, als Abschiedsgeschenk hinterlassen.
„Ich vermute noch heute, dass Bertold bloss zu faul war, die drei quasi flugunfähigen Vögel in die Tierverwahrungszelle mitzunehmen,“ hadert Brigitte regelmäßig, wenn eines der Henderl mal wieder den letzten Rest ihres Lieblingsmakeups auffrisst. Seither weiß ich: Hühner werden beim Weltcup der Tiere niemals Weltmeister in der Disziplin Futter-Perzeption.
„Ich trau mich aber nicht, die drei wegzugeben: wenn die Vogelgrippe über Europa hinweg fegt, wird mein Chalet womöglich die einzige Arche Noah für den beliebtesten Speisevogel der westlichen Kultur sein.“ In diesem Moment fiel es mir wie Eierschalen von den Augen: nicht bloss kein Frühstücksei – auch kein Hühnercurry, keine gebackenen Hühnerhälse***, kein cremiges Vanilleeis, kein Kuchen… Huhnprodukte, eine kulinarische Querschnittsmaterie, anders etwa als der Esel. (Keine Salamisandwiches – und aus.)
„Hühnerreproduktion,“ holte TB erneut aus, „bedarf nicht unbedingt eines Gockels. Aber keine Angst, ich gehöre nicht dieser Klon-Sekte an. Ich habe bloß mehrere Ampullen gefrorene Hahnenessenz in meinem Tiefkühlfach, für den Fall der Fälle.“

In diesem Moment mussten wir beide lachen. „Schon seltsam, wie sich die kollektiven Endzeitvisionen wandeln: vom atomaren Big Bang zu Vögeln, die uns statt des Himmels auf den Kopf fallen,“ erriet TB meine Gedanken. „Das eine führt zum anderen, aber wie schon der Dalai Lama sagte: Widme dich der Liebe und dem Kochen mit wagemutiger Sorglosigkeit. Womöglich gilt das gleiche auch für Endzeitvisionen.“

Diesmal mit Beilage: „Internet Slogans in voller Länge“

Seit MarketingexpertInnen erkannt haben, dass Internetuser prinzipiell nicht scrollen (können) und Suchmaschinen vorzugsweise Überschriften indizieren, gilt es als userfreundlich, komplexe Slogans zu kürzen. Wir kommen unserem golligen Printstatus gerne nach und präsentieren die gedruckteste Wahrheit seit Gutenberg.

  • Free Website Hosting, no Banners – just a shitload of Pop-Ups!
  • Instant free porn access! „free“ as in „free from satisfaction“, not as in „free of charge“!
  • Reich werden mit einem Nebenjob von zuhause aus! Mit welchem, bleibt Ihnen überlassen. Aber bevor Sie reich werden, überweisen Sie uns bitte noch zweihundert Euro für unsere zum Scheitern verurteilte Pyramidenspielidee.

* Insider! Der Papagei aus der Tiefe, Shub Niggurath & aus.
** österr. Dialekt für Eier. Vermutlich eher westliche Bundesländer. Aber ernsthaft – fällt euch ein Synonym für Hühnereier ein? Wenn ja, dann schickt es bitte an synonymfuerhuehnereier@pettauer.net. Dies ist kein Gewinnspiel, daher gelten auch keinerlei Teilnahmebedingungen, aber vielleicht darf jemand, der mitmacht, in einer der nächsten Kolumnen einen Satz seiner Wahl veröffentlichen und ich muss so tun, als wär er von mir – oder sogar die Autorenschaft preisgeben: zweifellos die größere Strafe in Zeiten schamlos plagiierender DiplomandInnen.
*** Sorry, Hühnerhalslovers, aber wir werden gemeinsam darüber hinwegkommen müssen. Immer noch besser als kein Thunfisch mehr im Meer… Moment… back to top

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