Google Reader eingestellt: die besten Alternativen

Google Reader eingestellt: die besten Alternativen

Zuletzt aktualisiert am 24. Januar 2018 um 13:58

[Update: 14.3.2013, 19:00 Uhr → hier klicken]

Mit großer Bestürzung vernahm die internationale Geekeria heute morgen um 1 Uhr früh (MEZ) via Mashable die Schreckensnachricht von der bevorstehenden Einstellung des Google Reader. Google zieht den Stecker des populärsten RSS-Reader der Welt am 1. Juli – und zwar wegen stark sinkender Nutzung:

The search giant is pulling the plug on the 7-year old project citing „declining usage.“ Google says it is shuttering Reader and deprecating or shutting down a number of other services as part of the company’s „spring cleaning“ initiative — one that seeks to help the company focus on the features that need the most use.

Zeitgleich werden einige weitere „Altlasten“ in den Papierkorb geschoben: die Snapseed Desktop Apps für Windows und Mac, Googles CalDAV API sowie Google Voice for Blackberry gehen ebenfalls den Weg alles Digitalen, für den größten Aufschrei sorgte aber naturgemäß die Nachricht von der Einstellung des populären Google FeedReaders. Zwar konnten sich RSS-Feeds, also die maschinenlesbare Variante von Webseiten, mit der sich Inhalte komfortabel via Newsreader abonnieren lassen, nie so richtig im Mainstream durchsetzen, aber jeder Online-Profi, Journalist, Blogger und News-Junkie hegte und pflegte die letzten paar Jahre seine persönlichen Reader-Feeds.

Der Sturm der Entrüstung weht als vorwiegend deswegen als derart steife Brise, weil Geeks und Nerds im Netz eine besonders laute Stimme haben – die Ankündigung auf Mashable wurde in den letzten Stunden bereits knapp 6000mal geteilt, Chris Taylors (Mashable CvDs) Petition gegen die Einstellung bringt es bereits auf 7.600 Shares. Ob Google Reader so noch eine Chance bekommt? Einerseits lässt sich das Produkt schwer monetarisieren, andererseits kann der Betrieb im Vergleich zu Analytics oder Plus auch nur recht wenig kosten. Manche vermuten gar eine katholische Verschwörung:

Ernstlich betroffen sind von der Einstellung aber nicht nur die User, sondern auch eine ganze Reihe von Drittanbieter-Apps – von mobilen Newsreadern, die ihre Feeds mit Google Reader abgleichen bis hin zu WordPress-Plugins, die eine Liste der eigenen Reader-Favoriten am Blog darstellen. Brent Simmons spricht gar von der bevorstehenden RSS Sync Apoclypse.

Die besten Alternativen zum Google Reader

Falls der Suchmaschinengigant bei seiner unpopulären Entscheidung bleibt, müssen sich RSS-Fans eine Alternative suchen – und die sollte aus Nutzersicht vor allem zwei Anforderungen erfüllen:

  1. eine möglichst einfache Migration der eigenen Feed-Sammlung aus dem Google Reader zum neuen Service
  2. ähnliche komfortable Lese- und Sharing-Funktionalitäten
  3. möglichst breite Plattformunterstützung (mobile Clients, Web Apps etc…)

Leider existieren gar nicht so viele Alternativen zum Google Reader, wie man meinen könnte – die Blütezeit der Free-Apps ist längst vorüber, und wer weiterhin seine Abos kostenfrei pflegen will, sollte einen näheren Blick auf eines der folgenden Services werfen:

Feedly

Sicherlich die erste Wahl – Feedly kommt ähnlich puristisch daher wie sein großer Bruder, bietet mobile Apps und soll mit wenigen Klicks eine Migration der eigenen Feeds erlauben. Entwickler dürften sich außerdem darüber freuen, dass die Seite auf einem Clone des Google Reader API basiert, was die Portierung bestehender Drittsoftware beträchtlich erleichtern sollte.
feedly.com

ACHTUNG: Feedly ist derzeit permanent überlastet. Ich hätte an dieser Stelle gern einen Erfahrungsbericht zur Migration gepostet, aber momentan dürfte eine ganze Armada von RSS-Lesern gerade Feedly bestürmen – die Synchronisierung endete bei mir bislang stets mit einer Fehlermeldung. Aber ein wenig Zeit bleibt ja noch…


Update: die Portierung meiner Google Reader Feeds zu Feedly hat mittlerweile geklappt. Ich verwende derzeit die Chrome-Web-App. Erster Eindruck: schlank, aufgeräumt, ein schnelles und selbsterklärendes INterface. Look-und-Feel gefielen mir auf Anhieb gut, nur mit der Magazin-Ansicht kann ich als Listen-gewohnter Feedleser wenig anfangen. Standardmäßig sieht die Newsübersicht in Feedly so aus:

Feedly.com Übersicht

Hübsch und modern, aber für meinen Geschmack passt da einfach viel zu wenig auf den Bildschirm. Den schnellsten Überblick bietet die Listenansicht der Artikeltitel, unterteilt in einzelne Tage. Um die Ansicht umzustellen, klickt mana auf das Zahnrad-Icon; Feedly merkt sich die bevorzugte Einstellung pro Ordner:

Feedly Reader - Artikeltitel

Für Schnellscanner bietet sich die „Timeline“ Ansicht an, in der die einzelnen Beiträge kurz angerissen werden. Ein Klick auf den Titel klappt den kompletten Artikel im Reader aus (sofern der Seitenbetreiber einen vollständigen Feed anbietet), auf Wunsch kann man aber auch standardmäßig zur Originalquelle springen:

Feedly Artikelansicht

Fazit: Sieht auf den ersten Blick schon sehr gut aus – durch die Benutzung der Web-App fühlt sich der Reader an wie eine lokale Anwendung, die Seiten laden blitzschnell und die Bedienung ist ausgesprochen selbsterklärend – bleibt nur abzuwarten, wie gut Feedly den zu erwartenden Nutzeransturm bewältigen kann.


NewsBlur

Bietet ebenfalls mobile Apps, gratis lassens ich aber nur bis zu 64 Feeds abonnieren – momentan leidet die Seite ebenfalls unter Lastproblemen.
newsblur.com

Pulse

Eigentlich kein Feed-Reader, sondern ein „Social Magazine“ in hübschem Layout. Mobile Apps für iOS und Android sind verfügbar, Minimalisten werden mit der etwas umständlichen Bedienung aber keine Freude haben.
pulse.me

Und dann schaut’s auch schon recht düster aus mit Web-Applikationen. Wer seine Feeds lieber lokal verwaltet, könnte einen Blick auf einen Desktop-Client werfen: RSS Owl und Feed Demon laufen unter Windows, für Linuxer kommt Liferea in Frage, für Mac User können NetNewsWire nutzen. Allerdings sind Feeds in der Cloud nun mal wesentlich besser aufgehoben – welcher Anbieter sich durchsetzen kann, wird sich allerdings erst dann zeigen, wenn ein Großteil der User migriert ist, wenn wer weiß, ob Feedly und Co. die nötige Infrastruktur längerfristig finanzieren können.

15 Antworten
    • Ritchie Blogfried Pettauer
      Ritchie Blogfried Pettauer says:

      Ich hab in der Vergangenheit ganz schlechte Erfahrungen mit der SimplePie-Library und nicht englischsprachigen Feeds gemacht. Vielleicht hat sich das mittlerweile gebessert, aber selbst wenn, ist der Aufwand höhere (regelmäßige Updates etc.) und es fehlen halt viele Teile (Mobileclient nur für Android). Außerdem müsste man sich dann auch wieder um ein Backup mehr und Updates kümmern… wenn’s nix anderes brauchbares gibt, würd ich dem geschenkten Gaul im eigenen Stall schon ins Maul schauen, aber ich hoffe, da tun sich noch Alternativen auf.

      Antworten
  1. menwelg says:

    Fuck. Ich benutze seit Jahren Net News Wire, das zieht die Feeds aber lediglich aus dem Google Reader. Keine Alternative in Sicht? Vielleicht sollte sich ein Unternehmen das mal als CSR-Maßnahme an die Fahne heften :)

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  2. Thomas Pasterk says:

    „Fever integration in Reeder is not complete at the time of this article’s publication. Currently, the only thing it seems to sync is Hot Links, and then just lumps all of your unread feeds in a ‘Unread’ section“

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  3. datenschmutz.blog - medien.kultur.technik says:

    Die Selection macht mir immer Angst; bei Feeds mag ich ja grade, dass ich *alles* krieg.

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  4. datenschmutz says:

    So, mal schauen, wie sich Disqus in der Praxis so macht…

    PS: Die früheren Kommentare werden gerade importiert und sollten in 24 Stunden wieder hier verfügbar sein.

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  5. Stefan Len says:

    So, einen Monat nach der Schließung muss ich sagen, das ich ohne RSS-Feed, ich habe nicht zu einem anderen gewechselt, sehr viel entspannter durchkomme da nicht so viele „news“ mich erreichen es zwar schon eine tolle Sache, doch es ist wie immer, ein Verständnis für den Markt legen die wenigsten an den Tag.

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  6. Heuermeuer says:

    Mehr als 8 Monate nach dem shutdown muss ich Google danken. Der Feeder hat mich täglich mit so viel Informationen überspült, dass wichtige Sachen einfach mal an mir vorbei liefen. Ohne Feeder muss man selbst mehr suchen kann aber selektiver vorgehen und bekommt schlußendlich die benötigte Information wesentlich schneller.

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