Kann man Äpfel mit Birnen vergleichen?

Kann man Äpfel mit Birnen vergleichen?

apfelbirneSelbstverständlich – es könnte einer daherkommen und behaupten: „Äpfel sind im allgemeinen runder als Birnen!“ Und schon hätte er verglichen. Genau genommen *muss* man sogar vergleichen, wenn man Birne und Äpfel denn überhaupt unterscheiden möchte. Gemeint ist mit der alten Bauernweisheit allerdings etwas ganz anderes, nämlich: Kann ich ein Klassifizierungssystem für Äpfel entwickeln und dann mit diesem System Birnen messen, ohne dass die resultierenden Erkenntnisse für mich jeglichen Wert verlieren? Diese Frage lässt sich mit einem entschiedenen Nein beantworten, aber dieser subtile Unterschied wird nicht nur im Online-Marketing häufig übersehen.

Denn in der Kürze liegt bekanntlich die Würze solcher Sprüche, da muss man schon mal das eine oder andere Missverständnis in Kauf nehmen. Aber was hat dieser kleine Ausflug in die logische Fruchtkunde mit Webwerbung zu tun? Eine ganze Menge: Man kann sehr wohl beispielsweise sehr wohl view-basierte Bannerschaltungen mit Performance-Modellen vergleichen – durch eine strikte Orientierung an den Sales bzw. an den Conversions.

Das wichtigste Kriterium wäre damit die Effizienz, und die lässt sich anhand des Verhältnisses Marketingbudget zu Verkäufen sehr leicht messen. Das gleiche Kriteriensystem, mit dem Marketingabteilungen die laufende Performance von PPV-Schaltungen seit 10 Jahren überprüfen, auf PPC-Modell anzuwenden, erweist sich dagegen als fatal: sowohl Einblendungen als auch Klickrate sind in Bezug auf bekannte Daten keine Referenzquelle mehr. Mit anderen Web 2.0 Services wie Twitter verhält sich die Situation ganz ähnlich.

Es ist also vollkommen legitim, Äpfel mit Birnen zu vergleichen, wenn man die Unterschiede der beiden Fruchtsorten beschreiben möchte. Will der Obsthändler allerdings Kriterien definieren, um etwa Premium- von Klasse-B-Birnen zu unterscheiden, dann ist er schlecht beraten, wenn er seine bestehenden Qualitätsmaßstäbe für Äpfel anwendet. Denn zahlen Kunden mehr für Äpfel mit blitzblank polierter Oberfläche, während die schmackhaftesten Birnen vielleicht gerade an ihrer matten Oberfläche erkennbar sind!


Fotocredits: Das Titelbild zu dieser Story wurde aus zwei Fotos zusammengebastelt, und zwar nur ein Apfel von Sven H und Saftige Birne von Knipseline. (beide Fotos von pixelio.de)
5 Antworten
  1. Karma Franz says:

    Der Beitrag gefällt mir – ich ärger mich jedesmal, wenn jemand zu mir „du kannst doch nicht Äpfel mit Brinen vergleichen“ sagt. Außerdem erinnert mich der Stil ein wenig an Seth G. – weiter so! :mrgreen:

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    • ritchie
      ritchie says:

      Der Titel klingt spannend, das werd ich mir gleich mal bestellen. Erinnert mich an eine Diskussion über die Chaostheorie, die ich letztens mit einem Kumpel hatte. Kurz gefasst: wenn Systeme „echt“ chaotisch sind, lässt sich die Kausalität eben *nicht* feststellen. Damit wird plötzlich auch der Schmetterling, der mit seinne Flügelchen den Tornado auslöst, ziemlich arbiträr.

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