StudiVZ kopiert munter weiter

Mit dem Kopieren ist das so eine Sache: man kann zwar eine Weile lang erfolgreich sein, aber die Zeit hat eben doch den Goldesel im Mund – oder umgekehrt. Wenn StudiVZ nun ankündigt, dass man in Zukunft die API für Dritt-Applikationen öffnen werde, dann sind die neuen BesitzerInnen aus dem Hause Holtzbrinck eine ganze Weile zu spät dran – aber dafür umso inkonsequenter.

Frank hat mir heute einen Artikel sowie ein Interview mit CEO Marcus Riecke (beides aus der FAZ geschickt:

Wie schwierig der Aufbau eines sozialen Netzwerkes im Ausland sein kann, hat auch StudiVZ erfahren müssen. Das Holtzbrinck-Unternehmen hat sich zwar auch ins Ausland getraut und dabei ganz bewusst die starken Facebook-Länder ausgelassen. Genutzt hat es wenig: Mit Ausnahme von Polen hat die Studentengemeinschaft kaum Erfolg.

Fazit: man wolle sich nun ganz auf den Stamm-Markt Deutschland konzentrieren – aber das wird gegen die spätestens Ende März verfügbare lokalisierte Facebook-Version auch nicht viel helfen. Ob Open Social integriert wird oder nicht, spielt vielleicht für Presse-Aussendungen eine kleine, am deutschsprachigen Massenmarkt allerdings garantiert keine Rolle. Essentieller erscheint da durchaus die vollmundig angekündigte „Öffnung der API für Drittentwickler“, die dem erfolgreichen Beispiel der Facebook-Apps folgen will. Allein, im Interview stellt sich sehr schnell heraus, dass Holtzbrinck gerade den essentiellen Teil des FB-Erfolgs *nicht* verstanden hat:

FAZ: Können jetzt alle externen Entwickler für StudiVZ Applikationen entwickeln?
Riecke: Wir planen, diese Schnittstelle auf Anfrage freizugeben. Wenn ein Entwickler auf uns zukommt, wollen wir vorab prüfen, ob diese Applikation zu unserer Produktstrategie passt.

Yay! Warum nicht gleich einfach ein Inhouse-Programmiererteam engagieren, das die populärsten Facebook-Apps einfach nachbaut?

Facebook hat bisher ziemlich alles richtig gemacht und schafft es als zweites Internet-Unternehmen nach Google, einigermaßen mit einer unglaublichen Skalierung ob des exponentiellen Userwachstums umzugehen. 95% der Apps sind totaler Schrott bzw. „mehr vom gleichen“, bei den restlichen 10% sind wahre Perlen dabei (je nach persönlicher Präferenz im Fun-, Business- oder Kontaktsektor), und die verbreiten sich wie von allein. Facebook hat mit einer sehr restriktiven API dafür gesorgt, dass keine App so ohne weiteres Fuck-Ups analog zu diversen Myspace-Würmern anrichten kann. Das hat zwar den gravierenden Nachteil, dass Entwickler vergleichsweise eingeschränkt bleiben, wird aber ein Weilchen lang für bessere Usability sorgen, als man sie von der Spam-Ruine myspace gewohnt ist. In den kommenden zwei Jahren dürften gewiss noch zahlreiche Bytes unsere Spamfilter passieren, und Langzeitprognosen sind schwierig bis unmöglich. Fest steht allerdings, dass FB auf längere Sicht genauso im Zentrum diverser Social-Hack Bemühungen stehen wird, wie Google heutzutage die einzige relevante Suchmaschine für SEOs ist – und mit dieser Herausforderungen umzugehen, wird unglaublich schwierig.

Was die nähere Zukunft betrifft, getrau ich mich zu wetten, dass StudiVZ unter dem Generationswechsel leiden wird: viele User verlassen die Unis und/oder sehen sich nach besseren, flexibleren Lösungen um – und die gibt’s zur Genüge. Dass man selbst das schnellstwachsende Netzwerk aller Zeiten mit der „richtigen“ Attitude in kürzester Zeit elendiglich zugrunde richten kann, hat ja Universal mit Napster schon vor Jahren erfolgreich vorgemacht.

11 Antworten
  1. yaph says:

    Dass StudiVZ Applikationen vorab prüfen will, ist ja echt eine riesen Motivation für Entwickler. Vielleicht machen sie es aber auch nur anders, um nicht alles zu kopieren :mrgreen:

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  2. panik says:

    Naja das kommt halt dabei raus wenn man von Tuten und Blasen keine Ahnung hat, kopieren ist immer einfach aber sobald man dann Erneuerungen bringen möchte bekommt man spätestens Probleme.

    Vielleicht schreibt das leete StudiVZ Mangement dazu ja einfach eine neue Regelung in den AGB damit auch ja alles ordentlich läuft und wenn jemand Scheisse baut bezahlt er halt einfach ein bischen Lehrgeld. Jetzt noch mit einer API zu kommen (welche dann auch noch saftige Einschränkungen haben wird) ist ja fast wie das Rad noch einmal neu zu erfinden.

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  3. Manuel von MyAlikes says:

    Einige Sachen sind mir schon Anfang des Jahres aufgefallen:

    Die Markenstrategie von ***VZ habe ich in der 2. Möglichkeit eingebaut…

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  4. Urlaubswerk says:

    Wichtig für Social Communities dieser Größe ist es, zu verstehen, dass sich die Lebenssituation ihrer User ändert. Nach Schule kommt Studium, Beruf, Familie etc.
    Die Apps sind ein ideales Tool, alles das anzuflanschen, was an Services da gefordert ist.

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  5. houserocker says:

    Tja vielleicht wird StudiVZ eben einfach von den falschen PErsonen geleitet… Ist oft so wenn große Firmen kommen und aufkaufen und die Entscheidungen dann den Zahlenmenschen unterliegen und nicht mehr den creativen Köpfen!! Schade das so ein Potential nicht richtig ausgenutzt wird!!

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  6. Marc says:

    Mir kommt es so vor, als wäre Studi seit der Übernahme durch kommerzielle Anbieter auf dem absteigenden Ast. Erst die Werbegeschichte und nun die Kopiererei!

    Naja, ich bin dort eh schon lange nicht mehr angemeldet, aber danke für die Info!

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  7. Rene says:

    Zum Glück hab ich schon lang nix mehr mit StudiVZ zu tun. Die ganzen Skandälchen helfen denen sicher nicht.

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