Yahoo's Pipes need no cleaning

Yahoo’s Pipes need no cleaning

Zuletzt aktualisiert am 24. Januar 2018 um 9:56

Yahoo PipesPipes nennt Yahoo sein neuestes Spielzeug, das in der Mashup-Querstrich Content-Aggregation Szene derzeit für Aufregung sorgt. Die Oberfläche der Online-Applikation ähnelt einer Mindmapping-Software – aus verschiedenen Informationsquellen und bedingten Abfragen baut sich der Benutzer seine eigenen Content-Kombinationen zusammen.

Als Quellen dienen FlickR Fotos, Yahoo-Suchergebnisse beziehungsweise jeder RSS-Feeds. Die einzelnen Elemente werden mit Operatoren, Annotationen und/oder Filtern verbunden und liefern die kombinierten Daten schließlich wiederum in Form eines Feeds zurück. Hört sich abstrakt an? Ist es auf den ersten Blick auch…

Aber weil, wie Herr Flusser stets schrieb, die Anhäufung von Wissen im Zeitalter der Datenbanken ohnehin obsolet geworden ist, empfiehlt sich auf jeden Fall „Learning by Doing“ – beim „Reverse-Engineering“ bestehender Pipelines versteht man am schnellsten die Funktionsweise des Werkzeugs. Programmierkenntnisse sind dazu vorerst nicht notwändig, eine gewissen Einarbeitungszeit schon. Der Begriff „Pipe“ stammt aus der *nix-Welt: Unix und Linux Benutzer fassen in einer sogenannten „Pipe“ mehrere Kommandozeilentools zusammen – quasi ein Makro mit mächtigen Einstellmöglichkeiten.

Und diese Mächtigkeit hat das Yahoo-Projekt mit seinem Namensgeber gemein. Im Handumdrehen lassen sich Abfragen realisieren wie:

  • Alle freien Wohnungen in der Nähe einer bestimmen Adresse
  • ebay Updates über Auktionen / Artikel
  • Jede Form von personalisiertem News-Feed

Der persönliche Nachrichten-Feed etwa bezieht nicht nur eine beliebig große Anzahl von Quellen ein, sondern eliminiert auch Dubletten:

In this example a variety of sources are queried with the same term. The results are merged into one feed. Next, all the items are sorted by what was most recently published. Finally, any items with identical titles are removed and a new RSS feed is born!

Grafisch aggregieren

Die Bedienung hat die Yahoo-Experimentalabteilung sehr gut hinbekommen – Drag-and-Drop und grafische Bedienung erleichtern den Einstieg ungemein. Der spaßhafte Charakter sollte keineswegs über die Mächtigkeit des Werkzeugs hinwegtäuschen: in der Tat spielt Pipes mehr Stückerl, als man auf Anhieb vermuten würde. Ein mehr als netter Nebeneffekt besteht in der didaktischen Qualität des Werkzeugs: anschaulicher lässt sich das Thema „Content Syndication“ nun wirklich nicht illustrieren. Look and Feel sind neu, optisch gibt’s keinerlei Ähnlichkeit mit dem gewohnten Yahoo-Look, doch das mag sich in Zukunft noch ändern.

Abgesehen von der Verwunderung darüber, dass endlich mal wieder jemand ein innovatives Online-Produkt präsentiert, der nicht kurz darauf von Google aufgekauft wird, bleibt natürlich eine Frage offen: Kann eine derart tiefgreifende Auseinandersetzung mit dem gewünschten Informations-Environment denn Massen-Appeal aufweisen?

Nimmt man die partizipative Komponente des Web ernst, dann hat Yahoo imho hier den richtigen Schritt getan: ein Interface, das viele Freiheitsgrade erlaubt, erfordert einen gewissen Einarbeitungsaufwand. Der Verzicht auf Scriptsprachen macht Yahoo Pipes dabei auch für all jene interessant, die auf grafische Interfaces nicht verzichten wollen oder können. Die vielen User-generated Pipes erleichtern den Einstieg ungemein – und gerade für Blog-Autoren bieten sich völlig neue Möglichkeiten für zum Beispiel Live-Blogrolls in Form eingebundener RSS-Feeds. Von Yahoo Pipes wird man in den nächsten Monaten noch einiges hören.

Zu mächtig oder genau richtig?

In Blogistan rufen die Pipes unterschiedliche Reaktionen hervor: Frank Helmschrott spricht zwar von Web 3.0, findet den Service überdimensioniert und zu sehr an die Programmier-Metapher angelehnt:

Abgesehen davon, dass ich derzeit einen solchen Dienst nicht brauche, kann ich mir nicht vorstellen, dass ich in Zukunft einen so großen Nutzen daraus ziehen kann, als dass es den Aufwand des Einlernens Wert wäre. Wenn es jemals nützlich ist diverse Webalerts zu kombinieren – was ich mir durchaus vorstellen könnte – dann wohl eher in einem eigenen Dienst, als in einem so modularen Portal, was irgendwie einer Programmiersprache gleicht.

Spreeblick freilich kann dem Point-and-Click Interface einiges abgewinnen:

Denn glich das programmieren von webzwonulligen Mashups bislang eher einer Art Geheimwissenschaft, lassen sich jetzt Mashups ganz lässig zusammenklicken. Auch von Menschen wie mir, die vom Programmieren nun mal wirklich überhaupt keine Ahnung haben.

Bleed sieht die Sache am de:bug blog ganz ähnlich und in Zeiten der allgegenwärtigen Informationsflut auch ganz pragmatisch:

Pipes allerdings lässt einen alle möglichen Filter einbauen, und damit ziemlich obskure spezielle und vor allem automatisierte Suchen basteln, die selbst die – jedenfalls bei mir – komplexen Email-Filter übertreffen. Wer intelligentere Feeds haben will, der wird sich wohl in den nächsten Wochen mit Pipes beschäftigen.

Das RSS-Blog mag die Pipes ebenfalls und sieht die Innovation vor allem in der Umsetzung mit typischen Web 2.0 Technologien:

Was dabei die Yahoo! Anwendung auszeichnet ist die Oberfläche und die Entwicklungsumgebung, die zur Verfügung gestellt wird. Ob das jetzt das Web3.0 ist, wage ich allerdings stark zu bezweifeln. Denn eigentlich wird bewährtes mit neuen Mitteln (Ajax) umgesetzt und auf vorhandene Quellen (RSS) angewendet.

Die ausführlichste Review mit vielen Hintergrundinfos hat Tim O’Reilly im Radar gepostet – er bezeichnet die Applikation als Meilenstein in der Geschichte des Internet:

Yahoo!’s new Pipes service is a milestone in the history of the internet. It’s a service that generalizes the idea of the mashup, providing a drag and drop editor that allows you to connect internet data sources, process them, and redirect the output. Yahoo! describes it as „an interactive feed aggregator and manipulator“ that allows you to „create feeds that are more powerful, useful and relevant.“ While it’s still a bit rough around the edges, it has enormous promise in turning the web into a programmable environment for everyone.

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