Kann man mit Blogs in Google ranken?

Gute Google-Rankings mit Blogs: Ziemlich unmöglich & wunderbar unverzichtbar

Plus: Vier Tipps gegen typische Blog-SEO-Probleme

16.07.2018 / von Ritchie Pettauer
Kann man mit Blogs gute Suchmaschinenrankings erzielen? Die schiere Flut an SEO-Plugins und Add-Ons für WordPress suggeriert ein ganz klares ja. Und beim Googeln nach spezifischen Keywords ist jeder schon mal auf einem Blogbeitrag gelandet, vielleicht sogar ohne es zu bemerken. Trotzdem erfrechte sich Herr Hanns Kronenberg, am 5. Juni einen Gastartikel bei Sistrix zu posten, der Weblogs jegliche Eignung für die Optimierung des organischen Traffics abspricht:
In der Praxis erzielen Blogs jedoch selten gute Rankings bei Google. Dieser Artikel klärt auf, warum Blogs für SEO ungeeignet sind.

Ja darf der das denn? Kann man sowas behaupten? Selbstverständlich, der Mann hat ja weitgehend recht mit seiner Analyse. Aber schauen wir uns mal, wie die Ergebnisse zustande kommen. Ich finde den Beitrag ausgesprochen spannend und aufschlussreich, bin aber zugleich der Meinung, dass die Diskussion primär mangels Alternativen eine überflüssige ist. Für die Big Player mit eigenen Plattformen mögen Blogs keine so große Rolle spielen wir für mittlere, kleine oder Einzelunternehmen sind sie schlicht unverzichtbar.

Rankings mit Blog zu erzielen, ist ziemlich unmöglich

Der Autor legt seiner Analyse die Sistrix‘ Ranking-Verteilung zugrunde. Sie sagt aus, wie sich die Rankings für alle untersuchten Keywords auf die ersten 10 Google-Seiten verteilen. Alle untersuchten Weblogs, sowohl aus der Gattung Corporate (Tchibo, Aldi) als auch die Stand-Alone Varianten (Stadt Bremerhaven, ifun), kommen nicht mal annähernd auf den Industrie-Durchschnitt von 10% Rankings auf der ersten Ergebnisseite.

Ranking Verteilung Stadt Bremerhaven

Typische Ranking-Verteilung eines Blogs, hier stadt-bremerhaven.de. (Quelle)

Das liegt natürlich zu einem hohen Grad an der riesigen Menge verfügbarer Beiträge. Caschy etwa postet jeden Tag mehrere kurze Newsartikel. Dass der Löwenanteil dieser Postings nicht längerfristig in den Top 10 zu finden ist, verwundert kaum. Vergleich man die Struktur eines seit einigen Jahren betriebenen Corporate Blogs mit anderen Content Formaten, etwa einer „klassischen“ Firmenhomepage, zeigt sich schnell, dass letztere meist aus einer überschaubaren Zahl von URLs besteht – dass ein höherer Prozentsatz davon vorne rankt, wenn der SEO seinen Job ordentlich macht, überrascht erst mal nicht besonders.

Hanns Kronenberg findet dann aber ein anderes Erklärungsmodell für die behauptete schlechte Performance: Bei den 8 SEO-Kriterien schwächeln Blogs in den Disziplinen „Fokus Suchintetion“, „Lebensdauer Content“ und „Aktualisierung“.

  • Blogbeiträge sind häufig thematisch zu spitz, um allgemeinere Such-Absichten gut zu matchen.
  • Ältere Beiträge werden meist straflich vernachlässig und viel zu lange nicht aktualisiert.
  • Die Lebensdauer vieler tagesaktueller Beiträge ist prinzipbedingt enden wollend – Nicht zuletzt lässt die übliche Datumsangabe am Beginn eines Beitrags Blogpostings rasch alt aussehen.
  • An der internen Verlinkung hapert’s auch häufig.

Der Autor erwähnt allerdings auch, dass Ausnahmen von der Regel existieren – und dass sich seine Aussagen natürlich nicht auf WordPress oder das jeweilige CMS beziehen, sondern auf das konkrete Content-Format: Mit WordPress lässt sich 2018 so ziemliche jede Art von Internetseite realisieren.

“]

Also Zeit, unsere Blogs einzustampfen? Nein, auf keinen Fall. Aber ambitionierte Content-Marketer können aus der vernichtenden Kritik wahnsinnig viel lernen. Richtig eingesetzt sind Blogs zwar keinesfalls ein Ersatz für anderen HPCFs (Hihg Performance Content Formats), leisten aber im Longtail sensationelle Arbeit.

Blogs sind wunderbar unverzichtbar für die Google-Rankings

Wie Marc Ostermann völlig richtig in seiner Antwort auf zielbar.de schreibt, findet man den Artikel ganz hervorragend. Sogar mit der Broad-Match Suchanfragen blogs geeignet für content marketing? taucht der Beitrag bei mir auf Seite 1 auf – zwar auf Platz 10, aber immerhin:

Der Beitrags

Der Beitrags „Blogs könne nicht ranken“ rankt für ein Blog ziemlich gut.

Also alles halb so wild? Ja und nein. Die Pro-Argumente kann ich mir an dieser Stelle sparen – ich habe Marc Ostermanns Analyse nichts hinzuzufügen. Der Beitrag enthält auch einen Kommentar von Meike Leopold, die mit Corporate Blogs das deutschsprachige Standardwerk zum Thema verfasst hat:

Ein gutes SEO-Ranking darf nur ein mittelbares Ziel beim Bloggen sein. Mit anderen Worten: Was für die Leser geschrieben wird, kann für Google & Co. nicht schlecht sein. Wenn dieses Grundprinzip im Sinne einer holistischen Content-Strategie in Bezug auf die zentralen Blog-Themen konsequent verfolgt wird, sollte sich das eigentlich auszahlen.

Da kann man nicht widersprechen. Und da sich die in einer differenzierten Online-Welt so wichtigen Longtail-Keywords nun mal am elegantesten auf einem Corporate Blog unterbringen lassen, ist das Format Corporate Blog ein genialer Hybrid aus SEO- und Content-Marketing Kanal – sofern man die angesprochenen Schwächen durch kluges Setup und adäquates Content Lifecycle Management abfedert.

Anstatt dem endlosen Netzdiskurs eine weitere theoretische Abhandlung hinzuzufügen, möchte ich daher lieber von meinen persönlichen Erfahrungen mit den angesprochenen Themen berichten. Man kann nämlich mit Blogbeiträgen ganz okay ranken – hier ein paar

datenschmutz.net Ranking-Beispiele:

Einige Seite 1 Rankings von datenschmutz – ältere, neuere, mit und ohne Semantic Markup. Das beweist erst mal, dass der Sistrix-Beitrag nicht unrecht hat: Natürlich rankt nur ein Bruchteil meiner bisher über 2.300 Beiträge auf Seite 1.

Das sind jetzt zwar bloß vier von über 2.000 Beiträgen. Aber wenn ich alle anderen Beiträge offline nehmen würde, hätte ich schnell mal 25% Treffer auf Seite 1. Die Frage lautet also:
Welcher Weg führt zu möglichst vielen Top-Platzierungen?

[cta-newsletter-dark]

01

Die Sache mit der Aktualität und dem Datum

Wer länger bloggt, stellt irgendwann fest, dass es da diesen (ur)alten Beitrag gibt, der aber immer noch super rankt. Und dann steigt plötzlich die Bounce-Rate und irgendwann ist das Ranking weg… Ja, das Datum trägt definitiv mit die Schuld daran. Ein zwei Jahre alter Beitrag über Newsletter-Marketing mag inhaltlich up to date sein, das Publikations-Datum kommuniziert dem geneigten Leser etwas anderes.

Die Lösung: Die Evergreen-Beiträge regelmäßig updaten, aktuell halten. Und dies dem Leser auch deutlich kommunizieren! Zum Beispiel mit einem Update-Hinweis, der automatisch am Beginn des Artikels eingeblendet wird, wenn sich das Publikations- vom Aktualisierungsdatum unterscheidet. Das sieht dann ungefähr so aus:

Aktualisierungsdatum für WordPress-Beiträge

Wird ein Beitrag aktualisiert, kommuniziere ich das auch deutlich an den Leser.

Der folgende Codeschnippsel in der functions.php erledigt den Job, die Formatierung erfolgt über die CSS-Klasse .last-updated:

function wpds_last_updated_date( $content ) {
$u_time = get_the_time('U');
$u_modified_time = get_the_modified_time('U');
if ($u_modified_time >= $u_time + 86400 && is_single() ) {
$updated_date = get_the_modified_time('j. F Y');
$updated_time = get_the_modified_time('G:i');
$custom_content .= 'Zuletzt aktualisiert am '. $updated_date . ' um '. $updated_time .''; }
$custom_content .= $content;
return $custom_content; }
add_filter( 'the_content', 'wpds_last_updated_date' );

Kleine Anmerkung für Enfold-Nutzer: In mit dem Avia-Editor erstellten Beiträgen taucht die Update-Nachricht ganz oben auf – die Lösung für eine beliebige Platzierung hab ich im Support-Forum von Mike bekommen. Diese Lösung lässt sich auf andere Themes übertragen, sollte es mit der Platzierung der „zuletzt aktualisiert am“ Meldung Probleme geben.

up2date - mein Plugin fürs Aktualisierungsdatum

up2date Plugin: Aktualisierungsdatum für WordPress BeiträgeSnippets und die functions.php sind nicht so Ihr Ding? Sie mögen’s lieber komfortabel? Dann empfehle ich Ihnen up2date: Mein Plugin fügt das Aktualisierungsdatum automatisch ein, wenn das Veröffentlichungsdatum und die letzte Überarbeitung länger als 24 Stunden auseinander liegen.

Die Formatierung erfolgt via CSS, die Position können Sie optional über einen div-Tag festlegen. up2date ist vollständig lokalisiert und aktuell mit deutscher und englischer Übersetzung verfügbar.

02

Das Problem mit der internen Verlinkung

Eine durchdachte interne Verlinkungsstruktur spielt eine enorme Rolle für die Rankings einer Seite. Die schlechte Nachricht: Autolinker Plugins können, wenn überhaupt, nur einen geringen Teil des Jobs übernehmen.

Die Lösung: Die interne Verlinkungsstruktur zu optimieren, ist und bleibt weitgehend eine händische Aufgabe. Es gibt Plugins, die – sofern richtig konfiguriert – einen Teil automatisieren können. Ich setze hier auf datenschmutz Inline Related Posts ein, auch mein Glossar, realisiert mit WP Glossary, trägt nicht unbeträchtlich zu einer besseren „Querverlinkung“ bei.

Mitentscheidend ist die passende Konfiguration all der Kategorie-, Schlagwort- und Archivseiten, die WordPress automatisch erstellt. Ob Sie diese Listenseiten, die immer die potentielle Gefahr von Duplicate Content bergen, mittels noindex ganz exkludieren oder als sogenannte Content-Silos nutzen, hängt Ihrer Ranking-Strategie und vom verfügbaren Content ab. Mit wpSEO lässt sich jede gewünschte Konfiguration realisieren und fine-tunen. Der Rest ist dann Handarbeit, Hirnschmalz und Auswertung.

03

Das Problem mit der Suchintention

Natürlich ist für Google ein möglichst gut zur Absicht des Nutzers passendes Suchergebnis das Killerkriterium Nummer 1. Wer das Bedürfnis hat, ein Online-Tagebuch zu schreiben, wird nicht auf die Top-Rankings schielen. Steht die kommerzielle Motivation im Vordergrund, wird man sich auch als Blogger vor jedem Beitrag die alles entscheidende Frage stellen müssen: Warum und für wen schreib ich das eigentlich? Denn für SEOs ist nun mal *jeder* Blogbeitrag eine Landingpage…

Die Lösung: Buyer Personas und eine klare Strategie, für wen man schreibt, helfen enorm. Profis lassen sich Feedback und Verbesserungsvorschläge von Testlesern aus der Zielgruppe geben. Auch nicht zu unterschätzen: Kleine, interaktive Elemente wecken Interesse und wirken sich positiv auf die User Signals aus. Dass die Standard-Bounce-Rate von Analytics der Weisheit letzter Schluss für Blogger ist, bezweifle ich sowieso: In meinem Reporting bounced niemand, der länger als 60 Sekunden liest. Das tut nicht nur dem Ego gut, sondern verhilft auch zu einem realistischeren Erfolgsmonitoring.

04

Das Problem mit dem Content Format

Ja, der klassische straighte Blogbeitrag mag in vielen Fällen nicht mehr das Mittel der Wahl sein. Visuelle Editoren helfen auch Einsteigern dabei, ansprechende interaktive Elemente und CTAs einzubauen. Ob für ein Stand-Alone Blog die Variante „Neue Beiträge auf der Startseite und dazu eine Kontakt-Page“ der Weisheit letzter Schluss ist, hat Robert Basic schon vor Jahren bezweifelt.

Die „Usability“-Struktur einer Webseite und die interne Verlinkung sind eng verzahnt: Jedes Posting mag eine Landing Page sein, aber wie können Sie Ihren Nutzern sinnvoll weiterführende Informationen anbieten, die über das „Neueste Beiträge Widget“ hinausreichen? Haben Sie ein Werkzeug, um Serien anzulegen, welche Rolle spielen diese Serien bei der internen Verlinkung?

Die Lösung: Wann ist ein Blog ein Blog? Wenn Sie wissen, welche Informationen für Ihre jeweiligen Zielgruppen die relevantesten sind, werden Sie nach und nach lernen, Ihre Seite besser zu strukturieren – durch den Einsatz von Custom Post Types, durch gezieltes Split-Testing und vor allem durch Versuch und Irrtum und konsequentes Analysieren. Wenn ich an mein erstes Haupt- und die drei Submenüs denke, muss ich heute noch lachen. Aber man lernt eben auch beim Bloggen aus Erfahrung.

Mein Fazit zur Diskussion übers Ranking mit Blogs?  Das klassische Blogformat ist out. Wer sich differenzieren und seinen Nutzern einen echten Mehrwert bieten will, braucht die passenden Inhalte und eine geeignete Struktur. Dann kann auch aus einem armen, kleinen Froschblog plötzlich ein High Performance Content Prinz werden.

6 Antworten
  1. Avatar
    Ed sagt:

    Interessant zu wissen, ist mir gar nicht aufgefallen. Ich hatte eher das Gefühl, dass ich öfter auf Blogbeiträgen lande.

    Antworten
  2. Avatar
    arnego2 sagt:

    Es wurde ja schon angeschnitten, die Menge macht es. Blogs haben, wie viele anderes CMS eine Admin Struktur die sie mitschleppen. Die meisten Blogeigner haben keine Ahnung wie man die Spider von den Seiten fernhält die wenig bis garnichts mit ihrem Thema zu tun haben. Ein Blog mit 30 Unterthemen konzentriert auf ein Thema hat Chancen, allerdings nicht in den hoch umkämpften Keyworten. Da muss man schon fleißig schreiben um auf +300 bis 500 Themennahen Beiträgen zu kommen.

    Ich finde es gut dass das Thema der Menge endlich mal erwähnt wurde. Danke dafür.

    Antworten

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Möchten Sie neue Kommentare abonnieren?
Wann möchten Sie Ihre Benachrichtungen erhalten?


Titelfoto: ondrejprosicky/Fotolia

Zuletzt aktualisiert am 18. Januar 2020 um 11:06

#LinkedinShow #23: Martin Goldmann

Aktueller Podcast

Ingrid Gerstbach im datenschmutz Podcast

Druckfrische #Buchempfehlung

Digitale Marketing Strategien

Zufälliger Glossar-Eintrag

Online Marketing Fachbegriffe einfach erklärt
Keine Veranstaltung gefunden
In 60 Minuten zum perfekten Linked-Profil Ihr gratis eBook ► jetzt herunterladen
Fresh!