Google mit neuen Spielregeln

Google mit neuen Spielregeln

Zuletzt aktualisiert am 24. Januar 2018 um 10:09

Vor einigen Wochen sorgte das aktuelle Google Pagerank-Update für Aufregung unter Webmastern: erstmals reagiert die größte Suchmaschine der Welt auf das Businessfeld „Linkverkauf“ mit Straf-Maßnahmen. [Ö1 Netzkulturkolumne, zuerst veröffentlicht auf oe1.orf.at]

Maßgeblich mitverantwortlich für den Erfolg der Suchmaschine, deren Slogan „Do no evil“ schon längst nicht mehr unwidersprochen stehen bleibt, ist der sogenannte Pagerank-Algorithmus. Google bemisst die Wichtigkeit einer Seite an den eingehenden Links: je mehr themenaffine Seiten auf eine bestimmte Adresse verweisen, desto höher deren Relevanz – und die wirkt sich wiederum auf den die Platzierung in den Suchergebnissen aus. Da die überwiegende Mehrheit der Surfer bei der Websuche erst gar nicht auf die zweite Ergebnisseite navigiert, kommt einer Platzierung möglichst weit entsprechend große Bedeutung zu.

Google aktualisiert die weltweiten verteilten Datenbanken ständig, errechnet allerdings in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen – bislang zumeist viermal pro Jahr – eine Maßzahl, welche Auskunft geben soll über die Wertigkeit einer Seite. Daraus resultiert der sogenannte „Pagerank“, eine Zahl zwischen 0 und 10, die auf einen Blick die Bedeutung einer Webadresse verraten soll. Seiten mit hohem Pagerank „vererben“ einen Teil ihrer Google-Relevanz, wenn sie auf andere Seiten verlinken. Dieses Prinzip stellt seit Jahren die Basis von Googles Businesserfolg dar. Doch mit steigender Bedeutung der Onlinewirtschaft wurden die Methoden zur Manipulation des Pagerank immer ausgefeilter und ein neues Businessmodell erblickte das Licht der Netzwelt: sogenannte Link Trader schufen Online-Marktplätze für die „Linkvermietung“. Wer bereits eine gut indizierte und bewertete Seite betreibt, kann gegen ein monatliches Entgelt dort Links publizieren, der Preis richtet sich dabei nach dem Pagerank der Seite. Diese Form der Online-Werbung richtet sich keineswegs an die menschlichen Besucher einer Webseite, sondern soll ihr lediglich zu einer besseren Google-Platzierung verhelfen.

Im deutschen Sprachraum machten Anbieter wie Teliad oder Linklift dieses Vermietungsbusiness zu einer attraktiven Einnahmequelle, die vor allem Bloggern häufig ein höheres monatliches Einkommen sicherte, also über klassische Online-Werbung möglich wäre – und wurde damit zur Konkurrenz für Adsense, Googles monetäres Zugpferd.

Das Adsense Geschäftsmodell

Die größte Suchmaschine der Welt deckt in der westlichen Welt rund 90% aller privaten Suchanfragen ab. Das eigentliche Kerngeschäft des Konzerns ist jedoch die Vermarktung der Adsense-Werbung: mit diesem Produkt revolutionierte Google vor Jahren den Online-Werbemarkt und löste Bannerschaltungen durch die sogenannte CPC (Cost per Click) Werbung ab. Kunden, die Google Adsense Anzeigen schalten, müssen sich nicht um die Auswahl geeigneter Werbeseiten kümmern: Adsense findet thematisch passende Webseiten und schaltet die eigenen Anzeigen automatisch. Für die bloße Anzeige fallen keine Kosten an, der Kunde bezahlt erst dann, wenn ein Surfer auch tatsächlich auf die Anzeige klickt.

Die Links in Adsense-Anzeigen sind mit dem Attribut „nofollow“ gekennzeichnet, was sie für Suchmaschinen „unsichtbar“ macht, denn Google möchte sein eigenes Bewertungskonzept nicht durch bezahlte Werbeanzeigen verfälschen. Die oben beschriebene Vermietung von Links verbietet Google in seinen Nutzungsbedingungen. Aufgrund der starken marktbeherrschenden Situation des Anbieters wagen es die wenigsten Webmaster, die Spielregeln des Branchenprimus zu brechen und halten sich an die Vorgaben. Wer das nicht tat, erlebte beim aktuellen Pagerank eine böse Überraschung: zwar existiert wie stets keine aktuelle Stellungnahme, dennoch deuten alle Anzeichen darauf hin, dass sämtliche „Linkverkäufer“ durch einen um ein bis zwei Punkte niedrigeren Pagerank „bestraft“ wurden.

Diese Vorgehensweise verringert nicht nur das Einkommen der betroffenen Blogger, sondern ist wohl auch als eine Art Warnung zu verstehen: wer die Spielregeln Googles nicht einhält, fliegt eben raus. Damit macht die aktuelle Pagerank-Runde vor allem eines deutlich: ist das Quasi-Monopol erst einmal zementiert, kann ein einzelner Player ohne viel Widerspruch die Spielregeln des gesamten Online-Marktes vorgeben. Ob dies der Netz-Ökonomie auf Dauer gut tut, ist mehr als fraglich.

19 Antworten
  1. Aufschnürer says:

    Find ich gut, dass Google etwas dagegen unternimmt. Eine Website soll nicht deswegen gefunden werden, weil jemand Geld dafür gezahlt hat, sondern weil die Seite tatsächlich interessierte User hat und damit einen Mehrwert bietet.

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  2. Michael says:

    Ich kann mich dem nicht anschließen was du da schreibst. Hier geht es nicht darum, das Google eine Gefahr für Adsense sieht, sondern darum, das Googles Kerngeschäft „suchen & finden“ durch Manipulationen verfälscht wird.

    Außerdem muss man immer Bedenken, das vor Googles Marktmacht, Links nicht in diesem extremen Maße gehandelt wurden um das Ranking zu beeinflussen, weil es eben noch kein Google-Ranking gab. Links waren Empfehlungen, die du und ich auf interessante Angebote gesetzt haben – OHNE Bezahlung.

    Adwords-Anzeigen hingegen beeinflussen das Ranking nicht. Anzeigen dieser Art kann jeder ganz simple mit nofollow selbst realisieren, nur wirds kaum einer kaufen, da den meisten dazu die Besuchermasse fehlt. Links waren halt nur interessant, weil sie das Ranking beeinflussten. Womit wir wieder beim Anfang wären. :)

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  3. igor says:

    Ich finds auch gut. Ich denke dadurch kommt besserer Content mehr in den Vordergrund und nicht nur die anzahl und menge der Links.

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  4. ritchie
    ritchie says:

    @igor: nein. dadurch kommen die leute in den vordergrund, die besser „schwindeln“ können, weil die google-sortierung ja eh nicht funkt. robert (basic) und ich wurden ja nicht abgestraft, weil irgendjemand unsere ll-links „entdeckt“ hätte, sondern weil wir wiederholt und offen drüber geschrieben haben. Ich bin in dem Punkt übrigens ganz Roberts Meinung, er hat da die wesentlichen Punkte sehr schön zusammengefasst.

    @Michael: tja, in dem Punkt gehen unsere Auffassungen weit auseinder :mrgreen:

    sondern darum, das Googles Kerngeschäft „suchen & finden“ durch Manipulationen verfälscht wird.

    Kategorienfehler! Suchen & Finden ist nicht Googles Kerngeschäft, sondern die Market Proposition. Das Kerngeschäft ist Adsense (plus inzwischen die ganzen eingekauften old media betriebe)

    Außerdem muss man immer Bedenken, dass vor Googles Marktmacht Links nicht in diesem extremen Maße gehandelt wurden um das Ranking zu beeinflussen, weil es eben noch kein Google-Ranking gab. Links waren Empfehlungen, die du und ich auf interessante Angebote gesetzt haben – OHNE Bezahlung.

    Das stimmt. Google fucked it all up, mit der Einführung des PR-Algorithmus :mrgreen:

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  5. David says:

    Google kann doch Linkverkäufer, Linktauscher und „normale“ Links eh nur teilweise unterscheiden. Außerdem hat ja nicht jeder Linkkäufer etwas schlechtes im Sinn. Sicherlich beeinflußt er dadurch das Ranking seiner Seite. Allerdings kann die Webseite zu einer bestimmten Thematik ja durchaus wertvoll für den Suchenden sein. Wenn ich mir teilweise die Adsense-Anzeigen ansehe, dann sollte Google dort auch mal besser aussortieren. Teilweise findet man Anzeigen die keine Themenrelevanz haben, oder einfach nur weitere Anzeigen ohne echten Content vermitteln.

    Google kann und konnte sich doch noch nie von „Manipulationen“ der Rankings absichern. Lediglich die Techniken der „Manipulierenden“ ändern sich zeitgemäß ein wenig.

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  6. Matthias says:

    Linkverkauf hin oder her, ich finde nicht, dass man das fahnden sollte. Immerhin muss sich Google an die Gegebenheiten anpassen und nicht die Gegebenheiten an Google. Wenn Linkverkauf betrieben wird, dann muss sich Google eben ein neues, besseres System einfallen lassen, aber nicht den Usern das alte System aufzwingen.
    Es wird sich einfach auf Dauer nicht halten lassen.

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  7. Ken Loner says:

    Wie will Google das in den Griff bekommen, es kommen jeden Tag Millionen neue Seite, die habe doch jetzt sch große Probleme.

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  8. Tester says:

    Na ja, was google unterbinden bzw. sehr wohl feststellen kann, sind Linkverkäufe über Plattformen wie linklift.at! Um dort tätig zu sein, muss man ja ein java script in seinen Quellcode einbinden. Ich denke doch, dass google Mittel und Wege hat, solch ein für Linkverkaufzwecke gedachtes java script zu identifizieren und jeden der das auf seiner Seite hat abzustrafen.

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  9. Califaxus says:

    Naja, die Sache ist ja, das Google mit Adsense eine der erfolgreichsten Marketingideen der Menschheit geboren hat. Das nennt sich dann kommerziell. Sie verwehren allerdings den „externen Mitarbeitern“, also den Bloggern und Webmastern, sich ebenfalls auf diese Ebene zu begeben, also kommerziell zu handeln. Das sagt eigentlich alles. Schade.

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  10. Califaxus says:

    Ich muss dazu sagen, ich hab zwar keine Links gekauft, aber Ende des vergangenen Jahres war ich auch „dran“. Von PR5 auf PR2, von 2500 Besuchern auf 60-70 pro Tag. Aber dennoch: Jammern nützt nix, schimpfen und unsachliches „gequarke“ auch nicht. Versuchen aus den alten Fehlern zu lernen und nicht neue zu machen.

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  11. Horst37 says:

    Zu Matthias: Google MUSS gar nichts, Google macht die Spielregeln. Wer sich nicht daran halten will, wird entfernt. Das tut sehr sehr weh, ICH weiß das. Es ist wie beim Kartenspielen: Man MUSS sich nicht an den Spielertisch begeben. Aber wenn man mitspielt, sollte man sich an die Anleitung halten. Sonst ist das Spiel zuende. Und im alten Texas ist man sogar erschossen worden. :wink:

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