LinkedIn Livestreaming: Video-Erfahrungen

#LinkedInLive: Meine Erfahrungen mit Live-Video auf LinkedIn (& technische Tipps)

Zuletzt aktualisiert am 19. September 2019 um 15:12

Sie haben von Linkeds neuen Live Videostreams gehört, wissen aber nicht, wie das genau funktioniert und wie Sie Zugang bekommen? In diesem Beitrag fasse ich meine Erfahrungen nach den ersten paar Streams für Sie zusammen. Sie erfahren, was notwendig ist, um LinkedInLive nutzen zu können, wie Sie Ihren Zugang erhalten und welche Inhalte besonders geeignet sind.

Vor einigen Wochen hat LinkedIn begonnen, die neue Lifestreaming-Videofunktion auszurollen. Vorerst haben nur wenige Betatester Zugang zu dem Tool, das Lifestreams (wie von Facebook bekannt) sowohl für Personen als auch für Unternehmen ermöglicht. Ich bin seit letzter Woche glücklicher Betatester und habe noch am selben Tag mit dem Videostreaming begonnen.

Meiner erstes LinkedIn Live: 10 Dos & Don’ts. (Die Einbindung über iframe skaliert noch nicht richtig – hier der Link zum Originalbeitrag.)

Wie bekommt an Zugang zu LinkedIn Live?

Wer das neue Feature auprobieren möchte, kann sich für den Beta-Zugang bewerben. Die Warteliste dürfte allerdings recht lang sein, und über die genauen Kriterien für die Auswahl können wir nur spekulieren. Anhand der Bewerbung vermute ich aber, dass folgende Faktoren eine Rolle spielen:

  1. Sie posten bereits seit längerer Zeit Inhlte auf LinkedIn, inklusive Videos.
  2. Sie bekommen viele Reaktionen und Kommentare auf Ihre Status Update.
  3. Sie haben einen hohen SSI und ein großes Netzwerk. (Ich habe Live in derselben Woche freigeschalten bekommen, in der ich meinen 10.000sten Follower hatte. Das könnte aber auch ein Zufall sein.)
  4. Sie haben bereits Erfahrung mit Live-Streaming auf anderen Plattformen wie Facebook, Twitch etc.

Wenn diese Bedingunge zutreffen, haben Sie gute Chancen auf Ihren Zugang. Technische Grundkenntnisse sind tatsächlich unbedingt erforderlich, denn Livestreams auf LinkedIn erfordern Drittanbieter-Accounts und Streamingsoftware.

Für die entsprechende Infrastruktur müssen Streamer selbst sorgen. LinkedIn unterstützt eine ganze Reihe von kommerziellen Anbietern, die zwischen 25 und 1.000 Dollar im Monat verlangen. Die einzige kostenlose Alternative ist derzeit Restream.io in Kombination mit OBS.

Das Formular zur Bewerbung für die Freischaltung finden Sie
mit diesem hier.

Wie funktioniert Livestreaming auf LinkedIn?

Live-Video FreischaltungSobald Ihr Zugang freigeschalten ist, weist LinkedIn auf der Startseite mit einem prominentem Recording-Icon darauf hin, dass Sie nun loslegen können. Der Klick auf „Get started now“ führt allerdings nicht direkt zur Webcam-Aufnahme, sondern zu einem Hilfe-Artikel, der den Einstieg erläutert.

Wie bereits erwähnt ist ein Drittanbieter-Streamingservice unbedingt erforderlich. LinkedIn unterstützt eine Reihe von Anbietern, deren Funktionsumfang und Preis sich gravierend unterscheidet.

  • EasyLive kostet mindestens $99 im Monat und dann nochmal $24 pro Streaming-Stunde.
  • Die iOS Mobil-Lösung Switcher Studieo kostet $75 im Monat.
  • Brandlive gibt die Preise nur auf Anfrage heraus.
  • Wowza kostet ab $49 pro Monat und verrechnet zusätzlich die gestreamten Gigabytes.
  • Die browserbasierte All-in-One Lösung Streamyard gibt’s ohne Branding ab $20 pro Monat.
  • Socialive will inklusive 3 Monate Archivierung und unlimitierter Live-Gäste $179/Monat.
  • Bei Restream.io ist der persönliche Basisaccount kostenlos, für 3 zusätzliche Streaming-Destinations und die Entfernung des Logos fallen $49 pro Monat an.

Ich habe mich für Restream.io entschieden. Einrichtung und Konfiguration sind mit wenigen Mausklicks erledigt. Die Anbindung an LinkedIn erfolgt über Browser-Authentification, die resultierende RTMP-URL und den Stream-Key muss man in die verwendete Software eintragen.

Mein zweiter Life-Stream: Was haben Personal Branding und die Zielgruppen-Definition miteinander zu tun? (Link)

Zusätzlich benötigen Sie ein Studio-Software Die populäre Open Software Software OBS Studio unterstützt Restream.io und bringt so ziemlich alles an Extras und Zusatzfunktionen mit, was man sich für den Einstieg ins (semi)professionelle Livestreaming wünschen kann.

Im simplesten Fall liefert eine Webcam (Voll)Bild und Ton. OBS erlaubt aber auch die Verwendung mehrere Quellen und Scenes, sodass der Komplexität keine Grenzen gesetzt sind – außer vielleicht die eigenen Multitasking-Fähigkeiten. Mit diesem Setup ist es ohne weiteres möglich, den Bildschirm zu splitten und ein Fenster mit der Webcam, ein Fenster mit einem Desktopausschnitt und zusätzlich Logos, Laufschriften etc. anzuzeigen.

Der Ablauf eines Live-Streams

Idealerweise kündigt man die eigenen Livestream vorher an. Wer Zugang zum Tool hat, sollte die Einführungsphase unbedingt nutzen – derzeit bewirbt LinkedIn Livestreams sehr umfassend über Benachrichtigungen.

Feste Zeiten sind ebenfalls eine hervorragende Idee. Hat man erst einmal herausgefunden, welche Uhrzeit bei der eigenen Zielgruppe am besten ankommt, sollte man fixe „Ausstrahlungstermine“ einplanen – und zwar mindestens wöchentlich, im Idealfall häufiger. Livestreams sollten mindestens 15 Minuten dauern, um sich ausreichend zu „verbreiten“. Für kürzere Videos eigenen sich „Konserven-Uploads“ besser.

Alle diese Tipps stammen aus dem offiziellen LinkedIn How-To Guide. Weniger gern gesehen sind reine Verkaufs- oder Promotion-Inhalte (sorry, Homeorder-TV), vorab aufgenommene Videos und „unprofessionelle“ Inhalte. Zweifellos ein dehnbarer Begriff, doch LinkedIn weist darauf hin, dass alle Streams öffentlich sichtbar sind.

Hat man den Stream über die eigene Applikation gestartet, geht es sofort los. Mit Restream.io hatte ich eine Latenz von einigen Sekunden. Am Rechner bzw. mit dem Account, mit dem man broadcastet, kann man nicht zugleich den Stream empfangen. LinkedIn empfiehlt die Verwendung eines zweites Gerätes bzw. die Unterstützung eines Moderators, der sich um eingehende Fragen kümmert.

Restream.io LinkedIn Lifestream

Die Konfiguration von Restream.io ist völlig selbsterklärend und der Stream in wenigen Minuten eingerichtet.

In der Tat ist das gleichzeitige Moderieren und Bedienen der Studio-Software durchaus eine Herausforderung. Dabei auch noch ein Tablett mit den aktuellen Diskussions-Beiträgen im Auge zu behalten, erfordert ein hohes Maß an Konzentration. Denn gerade die Interaktion mit dem Publikum macht dieses Live-Format ja so interessant – und auch herausfordernd.

Unmittelbar nach Beendigung des Streams wird die Aufnahme als Postings archiviert und kann auch später jederzeit „nachgesehen“ werden.

Welche technische Ausrüstung brauche ich zum broadcasten?

Wie bereits erwähnt reicht im simpelsten Fall ein Laptop mit eingebauter Webcam oder ein iPhone mit der entsprechenden Software aus. Die Kameraqualität ist in der Praxis meist weniger das Problem als der Ton: Hier schaffen externe Mikros bzw. kabellose Freisprecheinrichtungen Abhilfe. Dass das Smartphone dabei auf Stativ gehört, versteht sich von selbst.

Wer in HD broadcasten, mehrere Quellen einbinden und die Sendung auch aufnehmen möchte, braucht in erster Linie eine entsprechend leistungsfähige Grafikkarte. Nach oben gibt es keine Limits: Vom kleinen Homestudio mit mobilem Greenscreen bis zum Multikamera-Hollywoodstudio samt Drohnen und Steadycams ist so gut wie alles möglich. Letztendlich zählt aber der Inhalt weit mehr als die Form – aber eine adäquate Form macht besagten Inhalten eben viel attraktiver.

OBS Studio für LinkedInLive

Mein OBS-Setup für LinkedIn Livestreams. Man kann problemlos mehrere Scenes anlegen und während des Streams hin- und herschalten.

Warum LinkedIn Live so mächtig ist

Wie von neuen Features gewohnt, pusht LinkedIn Livevideos derzeit enorm stark. Die Sofort-Reichweite von Livecasts ist in der Tat ungleich größer als bei hochgeladenen Clips. Laut Erfahrungsberichten von Kolleginnen bekommt so enorm viele 2nd Connection Followers. Außerdem unterliegen Livecasts nicht der 10-Minuten-Längenbeschränkung für hochgeladene Videos.

Mal abgesehen von diesen pragmatischen Aspekten bietet LinkedIn Live in erster Linie eine ganz fantastische Möglichkeit, direkt mit dem eigenen Netzwker in Kontakt zu treten. Natürlich passieren bei Live-Videos Hoppalas, und der Feinschliff der Endproduktion fällt weg. Aber gerade deshalb sind Livestreams oft sehr viel authentischer und spannender als glattpolierte Clips. Dazu kommen noch die bereits erwähnten Möglichkeiten der Live-Interaktion mit dem Publikum.

Welche Inhalte eigenen sich für Live-Broadcasts?

LinkedIn ist und bleibt ein Business-Netzwerk, da machen auch Livestreams keine Ausnahme. Trumpf sind hilfeiche Inhalte: Tipps, Best Practices und Branchen-News, die der eigenen Zielgruppe im beruflichen Alltag ganz konkret weiterhelfen. Das gilt für alle Arten von Status Updates, Artikeln und Dokumenten, dafür muss bei Live-Streams niemand das Rad neu erfinden.

Wenn die Zuseher aktiv mitmachen, Fragen stellen und sich auf die nächste Ausgabe freuen, dann haben Sie die hohe Schule des Videostreamings auf LinkedIn gemeistert – bis dahin heißt es: Ausprobieren, split-testen und Augen wie Ohren offen halten. Sollten Sie derzeit noch auf Ihren Zugang warten, dann werfen Sie regelmäßig einen Blick in unterschiedliche Live-Streams und lassen Sie sich inspirieren. Viel Erfolg mit LinkedInLive!

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